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Diaolou – Die Wachtürme von Kaiping und weitere Arbeiten | Sabine BUNGERT & Stefan DOLFEN in Gelsenkirchen


China, with 1.4 billion inhabitants the world’s most populated country, has become a major economic and technological power in recent years. But the country also has an extraordinary history and almost undiscovered signs of an eventful past. Hundreds of residential and watchtowers were built in the southern Chinese province of Guangdong between the mid-19th century and the 1930s. These „Diaolou“ are considered as contemporary witnesses of the emigration history of the overseas Chinese from Kaiping, who built these after their return home to protect against predatory gangs. Unique in their architecture, some of the Kaiping Diaolou have been on UNESCO’s World Heritage List since 2007. The two photographers visited about 70 Chinese villages in 2017 to photograph the last remaining Diaolou.

 

"Diaolou – Die Wachtürme von Kaiping" © Sabine Bungert und Stefan Dolfen

„Diaolou – Die Wachtürme von Kaiping“ © Sabine Bungert und Stefan Dolfen

Sabine Bungert & Stefan Dolfen

Diaolou – Die Wachtürme von Kaiping und weitere Arbeiten

24. Mai bis 1. September 2018

Wissenschaftspark Gelsenkirchen

www.pixelprojekt-ruhrgebiet.de

 

 

 

PR Info _ China, mit 1.4 Milliarden Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Erde, hat sich in den letzten Jahren zu einer wirtschaftlich und technologischen Großmacht entwickelt. Doch das Land hat auch eine außergewöhnliche Geschichte und fast unentdeckte Zeichen einer wechselvollen Vergangenheit.

So stehen in der südchinesischen Provinz Guangdong hunderte Wohn- und Wachtürme, die zwischen der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1930er Jahre hinein, entstanden sind. Die „Diaolou“ gelten heute als Zeitzeugen der Auswanderergeschichte der Übersee-Chinesen aus Kaiping, die diese nach ihrer Heimkehr zum Schutz vor räuberischen Banden bauten. Einzigartig in ihrer Architektur, stehen einige der Kaiping Diaolou seit 2007 auf der Liste der Weltkulturerbe der UNESCO. Rund 70 chinesische Dörfer haben die beiden Fotografen 2017 besucht, um die letzten noch stehenden Diaolou zu fotografieren. Das Projekt wurde durch die Stiftung Kulturwerk der VG Bild-Kunst gefördert.

Mit dieser Dokumentation setzen die Fotografen Sabine Bungert und Stefan Dolfen den zentralen Aspekt ihrer vorangegangenen Arbeiten aus der Türkei und Hongkong fort – der Suche nach den sichtbaren Zeichen von Migrationsbewegungen in der Architektur.

"Zentralanatolien" © Sabine Bungert und Stefan Dolfe

„Zentralanatolien“ © Sabine Bungert und Stefan Dolfe

Aufgrund von Bevölkerungswachstum, Überfällen und Hungersnöten wanderten zehntausende Chinesen Mitte des 19. Jahrhunderts aus, um im nordamerikanischen Eisenbahnbau, in den Zinnminen Malaysias und anderen arbeitsintensiven Industrien Asiens und Kanadas zu arbeiten. Die Situation der Daheimgebliebenen wurde immer beschwerlicher, doch die Übersee-Chinesen hielten engen Kontakt zu ihrer Heimat.

In Kaiping fand man schließlich eine architektonische Lösung für diese wachsenden Probleme. Mit den Überweisungen der emigrierten Männer und dem Geld der Heimkehrer wurden fortan vermehrt Wohntürme im Stil der bereits existierenden Wachtürme aus der Ming Dynastie gebaut. Das Entscheidende war: Die Impressionen der weit gereisten Heimkehrer fanden in den neuen Gebäuden ihren Ausdruck. Zeichnungen, Fotos und sogar Ansichtskarten aus dem Ausland dienten dabei als Vorbild für die palastartig gestalteten Dachetagen, die neben Gotik-, Barock- und Rokoko-Stilelementen auch Einflüsse antiker römischer oder islamischer Bauten zeigen. Entstanden ist eine einzigartige Kombination aus chinesischer und westlicher Architektur. Die Kaiping Diaolou zeigen die früheste Adaption westlicher Einflüsse in ländlichen Gebieten Chinas.

Auch in den weiteren Arbeiten beschäftigen sich Sabine Bungert und Stefan Dolfen mit Veränderungen im urbanen und ländlichen Raum aufgrund von Migrationsbewegungen. Dazu haben sie in Chikan, dem einstigen Handelszentrum der Provinz Guangdong, die nächtlichen menschenleeren Straßen und Gassen fotografiert. Für die Arbeit „Arrival Cities“ haben die Fotografen Zuwandererviertel in den Städten Hongkong und Istanbul besucht. Die Höhlenwohnungen in den rauen Hochebenen Zentralanatoliens erzählen von Menschen, die früh Zuflucht suchend ganze Dörfer in den weichen Tuffstein gegraben haben. Hier verbinden sich abendländisch-christliche und türkisch-moderne Einflüsse zu einer einzigartigen doppelten Kulturlandschaft.

Info + illus. courtesy Wissenschaftspark Gelsenkirchen